Ein blaues Logo mit einem alten Mann namens Gerhard Haack. Der Mann war der Gründer und ein ehemaliger Geschäftsführer von der GPS

Neues aus der GPS

„Was wir nicht schützen, das verlieren wir“

GPS verleiht Gerhard-Haack-Preis für ehrenamtliches Engagement

GPS-Geschäftsführer Klaus Puschmann fand bei der Verleihung deutliche Worte in Richtung Politik: „Wenn die Menschenwürde eine Frage des Geldes wird, ist das ein Problem unserer Demokratie.“

„Wir sind Menschen. Nicht Menschen mit und ohne Behinderung. Wenn das alle in ihre Köpfe kriegen würden, hätten wir viel weniger Probleme.“ Mit diesen starken Worten machte Jeanette Netzelmann bei der Verleihung des Gerhard-Haack-Preises deutlich, worum es an diesem Vormittag ging. Sie selbst gewann für ihren Einsatz im inklusiven Kampfsport. Und auch die anderen beiden Preisträger tragen dazu bei, dass unsere Gesellschaft offener und für alle zugänglich wird.

Bereits zum dritten Mal verlieh die GPS den Gerhard-Haack-Preis für besonderes ehrenamtliches Engagement für die Inklusion. Gefeiert wurde in diesem Jahr im Wangerland Ressort in Hohenkirchen. Den grandiosen Auftakt machten Musiker der Werkstatt Westerscheps und der artec ammerland mit den Pädagog*innen Annette und Peter Borchers von der integrativen Musikschule Notenschlüssel. Besonders beeindruckend war der Auftritt von Leonie Brunken, die ein selbst geschriebenes Lied sang und damit für Gänsehaut sorgte. Ebenso viel Freude machte der Auftritt von Philipp Theesfeld: Mit seiner Gitarre, seiner unverwechselbaren Stimme und sichtbarer Freude an der Musik begeisterte er einmal mehr das Publikum.

GPS-Geschäftsführer Klaus Puschmann begrüßte die Gäste und fand deutliche Worte zur aktuellen politischen Lage. „Im Moment wird viel geplant und gerechnet. Dabei wird mir mulmig.“ Es dürfe nicht bei Leistungen für Menschen mit Behinderungen oder bei Kindern gespart werden. „Das ist nicht bloß ein Streit um Zahlen, das ist das echte Leben, das sind Menschen.“ Das Zusammenleben sei das wichtigste, was die Gesellschaft habe. „Wenn die Menschenwürde eine Frage des Geldes wird, ist das ein Problem unserer Demokratie.“

Klaus Puschmann bedankte sich bei den Nominierten und machte deutlich, welch großen Stellenwert ihr Einsatz für die Gesellschaft hat. Die Arbeit bleibe leider oft im Verborgenen und erfahre nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdiene. „Das Problem: Was wir nicht sehen, das schätzen wir nicht; was wir nicht schätzen, das schützen wir nicht; und was wir nicht schützen, das verlieren wir.“

Genau deswegen sei der Gerhard-Haack-Preis so wichtig: Er erzeugt Aufmerksamkeit. Dotiert ist er zudem mit insgesamt 6000 Euro, mit denen die drei Sieger-Projekte unterstützt werden.

Gewonnen haben in diesem Jahr:

Jeanette Netzelmann

Sie engagiert sich seit vielen Jahren für den inklusiven Kampfsport im TuS Glarum. Sie ermöglicht Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam zu trainieren, voneinander zu lernen und über sich hinauszuwachsen. Ihr Training ist ein Ort des Vertrauens, des Respekts und der gegenseitigen Unterstützung. Hier zählt nicht, was jemanden unterscheidet, sondern was verbindet: der Mut, sich neuen Herausforderungen zu stellen, die Freude an Bewegung und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Das Training von Jeanette Netzelmann geht weit über das Vermitteln von Technik hinaus. Sie baut durch die gemeinsame Zeit Barrieren ab. Die Teilnehmer*innen bekommen Selbstvertrauen und lernen Fairness. Zudem fördert Jeanette Netzelmann nicht nur die sportlichen Fähigkeiten, sondern auch Freundschaften. Viele Teilnehmer*innen haben dank ihr einen Platz in einer inklusiven Gemeinschaft gefunden.

 

Thomas Krummeich

Dank ihm haben zahlreiche Beschäftigte der Werkstatt Jeringhave die Liebe zum Laufen entdeckt. Er trainiert dort seit dem Jahr 2019 eine Gruppe und bereitet sie auf die Teilnahme am Hospizlauf in Varel vor.

Einmal in der Woche läuft Thomas Krummeich mit den Teilnehmer*innen. Durch seine Art hat er es geschafft, 25 Beschäftigte für den Sport zu begeistern und immer wieder zu motivieren. Gemeinsam laufen sie fünf Kilometer durch den Vareler Stadtwald, im Anschluss gibt es Dehnübungen. Das Training stärkt nicht nur die Kondition: Es macht den Läufern viel Spaß und sie gehen ausgeglichener, motivierter und entspannter in ihren Alltag zurück.

Thomas Krummeich engagiert sich zudem für das Hospiz in Varel und sammelt jedes Jahr viele Geld- und Sachspenden von Firmen aus der Region.

 

Sascha Scheller und die Hasentour

Laut für die Leisen: Unter diesem Motto sammelt die Hasentour seit zehn Jahren Spenden für soziale Einrichtungen, Vereine und Projekte. In bunten Hasenkostümen fahren die Motorradfahrer*innen an den Ostertagen durch Wilhelmshaven und Friesland. Alle sind mit Leidenschaft, Feuereifer und vielen Ideen dabei. Mit ihrer Tour unterstützen die Hasen aber nicht nur finanziell. Sie sorgen während ihrer Fahrten auch für leuchtende (Kinder-)Augen und zaubern Lächeln in viele Gesichter.

Im Mittelpunkt der Hasentour steht Organisator Sascha Scheller. Auch dank seiner Kontakte und vor allem dank seines Engagements konnte in diesem Jahr eine Rekordsumme von 150.000 Euro an Spenden gesammelt werden. Mit dieser Summe unterstützt der Verein wieder zahlreiche Projekte – und schenkt neben Freudentränen auch Sichtbarkeit: In der jährlichen “Hasenpost” werden die Vereine und Projekte, die unterstützt wurden, einem breiten Publikum vorgestellt.

 

Nominiert waren außerdem:

Jennifer Rabe, die sich unter anderem in einer Selbsthilfegruppe für Betroffene des Angelman-Syndroms und ihre Angehörige engagiert.

Reinhard Wagner, der dafür kämpft, dass Medizinprodukte und die Behandlung von Schlafapnoe für alle verständlich sind. Für dieses Engagement wurde er jüngst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Lucia Neumann, die eine inklusive Schwimmausbildung im STV Voslapp etabliert hat.

Mario Faßbender, der Menschen mit Behinderung dabei unterstützt, in ihrer Freizeit Sport zu treiben.

Petra Leuning, die sich in der Selbsthilfe für Menschen mit Sehbehinderung engagiert.

Marlene Tönies, die sich beim „Walking Football“ für ihr inklusives Team einsetzt.

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