Mein Name ist Kiana, bin 17 Jahre alt und bin auf dem Autismus-Spektrum, um genauer zu sein, habe ich das Asperger-Syndrom. Ich mache mein Schul- Praktikum bei der GPS, weil ich schon viel über dieses Unternehmen gehört habe und neugierig war, wie es da so läuft. Ich erzähle ein bisschen was über mich selber und wie mein Leben momentan so läuft.
Meinen Eltern ist schon sehr früh aufgefallen, dass ich mich anders verhalte als meine beiden älteren Schwestern, die beide neurotypisch sind. Ich machte fast nie etwas selbstständig, sondern man musste mir sagen, was zu tun war. Ich hatte bestimmte Interessen mit denen ich mich tagtäglich sehr obsessiv auseinandergesetzt habe und soziale Kontakte zu knüpfen fiel mir schwer. Schon im Kindergarten habe ich mich von den anderen Kindern entfernt und mich selber beschäftigt, zum Beispiel mit Puzzeln oder mit Figuren spielen.
In der Grundschule hatte ich eine Schulbegleitung, die ich bis zur fünften Klasse hatte, damit der Schulalltag mir besser gelingt. Ich war schon immer eine sehr non-verbale Schülerin und sprach kaum mit jemanden, außer ich wurde angesprochen. Meine Diagnose bekam ich mit acht Jahren, was im Nachhinein eine sehr gute Sache war, weil sehr viele Autisten ihre Diagnose erst im Erwachsenenalter bekommen und sich dadurch ihr ganzes Leben lang fragen, was bei ihnen so anders ist als bei neurotypischen Menschen. Ich hatte zwei Freundinnen in der Grundschule, mit denen ich in der Pause ständig gespielt hatte, was sehr anstrengend für mich war. Wir hatten fast immer Fangen gespielt hatten und ich habe nicht so eine große Ausdauer.
Einmal war eine meiner Freundinnen bei mir und ich war bei ihr. Beide Male waren sehr energieraubend, weil es schwierig war für mich, sie für eine Stunde zu unterhalten und bei ihr hatte ich einen Nervenzusammenbruch, weil wir Dinge gemacht hatten, auf die ich keine Lust hatte. Nach der Grundschule hatten meine Freundinnen und ich keinen Kontakt mehr und seitdem hatte ich keine Freunde mehr.
Ab der sechsten Klasse hatte ich eine neue Schulbegleitung, die ich bis zur Mitte der zehnten Klasse hatte. Da die Corona-Zeit allerdings kam, hatten wir weniger Kontakt. Die Corona-Zeit war ideal für mich, würde man behaupten. Ich konnte für mich selber sein und musste nicht an so einem stressigen Ort wie der Schule sein. Allerdings hat die Corona-Zeit mehr Negatives in mir ausgelöst als man glauben könnte. Ich wurde ängstlicher und entwickelte eine Sozial-Phobie, wodurch die Schulzeit noch schlimmer wurde.
Meine Familie und ich sind während den Sommerferien in 2021 umgezogen, was mir nicht viel ausmachte, da ich mich schnell an das neue Haus gewöhnen konnte. Über die Zeit fing ich allerdings an, Zwänge zu entwickeln. Es wurde so schlimm, dass ich mich entschieden hatte, die zehnte Klasse zu wiederholen. Das habe ich gemacht, damit ich ein weniger stressiges Schuljahr habe. Aber der Stress ging nicht weg. Im zweiten Halbjahr musste ich die Schule abbrechen, weil ich psychisch einfach nicht mehr konnte. Jetzt habe ich einen Psychologen und nehme Medikamente, die mir großartig helfen, die Ängste und Zwänge niedriger zu machen. Nach den Sommerferien konnte ich dann normal mit der elften Klasse weitermachen.
Ich habe großes Interesse an Psychologie und visuellem Geschichtenerzählen, besonders wenn ich beides miteinander kombinieren kann. Ich mag es, in die Psyche meiner Lieblingsfiguren einzutauchen und generell wie Geschichtenerzählen abläuft. Ich bin aber mehr ein Serien- und Film Fan, weil ich keine große Aufmerksamkeitspanne für Bücher habe. Ich höre gerne Musik und zeichne sehr gerne, allerdings Zeichentrick-Figuren, da man mehr kreativen Freiraum hat. Außerdem spiele ich Videospiele, aber nicht die Gewalttätigen, sondern familienfreundliche Spiele, die einem manchmal zum Verzweifeln bringen. Ich freue mich besonders, wenn Leute genau gleich viel Interesse in den gleichen Dingen haben wie ich, weil ich dann weiß, dass ich nicht alleine bin.
Seit Mitte der zehnten Klasse habe ich wieder eine neue Schulbegleitung. Meine Schulzeit hat mich erkennen lassen, wie wenig Rücksicht auf Schüler mit Beeinträchtigungen genommen wird. Besonders, wenn Gruppenarbeiten anstehen, wird es schwierig, da ich nicht gut in einer Gruppe zusammenarbeiten kann. Viele der Lehrer bemühen sich auch nicht, mir eine eigene Aufgabe zu geben, obwohl sie wissen, dass eine autistische Schülerin mit einer Schulbegleitung im Klassenzimmer sitzt. Einen festen Raum für die Pausen hat die Schule auch nicht, obwohl sie zwei große Gebäude haben.
Ich würde mich als jemanden bezeichnen, der sehr introvertiert ist, viel Zeit für sich selber braucht und schnell gereizt werden kann. Ich mag es allerdings, meine Interessen mit Anderen zu teilen und habe eine sehr große Leidenschaft für die Dinge, die mich interessieren.
Jetzt mache ich mein Schul-Praktikum bei der GPS und überlege mir, die zwölfte Klasse zu machen, damit ich mehr Möglichkeiten in meinem späteren Berufsleben habe. Ich versuche selbstständiger zu werden und mehr für mich selbst einzustehen.