„Gib mir Feedback“ stand auf den Buttons, die Thomas Liesenberg und Paul Leese im vergangenen Herbst in der Dorfschule Mansie verteilt haben. Diese Anstecker standen ganz am Anfang eines Kulturexperiments. Sie sollten ein Zeichen setzen und Türen öffnen. „Durch diese offene Aufforderung kommt man ins Gespräch und in den Austausch“, erklärt Thomas Liesenberg die Idee dahinter. Er arbeitet als Therapeut in der Autismusambulanz der Dorfschule Mansie und hat das Kulturexperiment gemeinsam mit dem Psychologen der Schule, Paul Leese, begleitet.
Bei den Teamtagen der Dorfschule kam deutlich heraus, dass sich die Mitarbeitenden eine andere Feedback- und Fehlerkultur wünschten. Die Zeiten sind herausfordernd, Stellen sind unbesetzt, die anfallende Arbeit muss aufgefangen werden. Das sorgt für Stress – und dafür, dass für Höflichkeit und Freundlichkeit vielleicht manchmal kein Raum bleibt. Das ist menschlich. Es ist aber auch belastend.
Thomas Liesenberg und Paul Leese führten ein Treffen ein, an dem alle Mitarbeitenden freiwillig teilnehmen konnten. Jeden Freitag vor dem Start ins Wochenende konnten alle für eine Stunde in der Turnhalle zusammenkommen. „In dieser Zeit wollten wir uns um uns kümmern und anschließend alle mit einem guten Gefühl ins Wochenende gehen“, erzählt Malina Finke. Die stellvertretende Leiterin der Dorfschule gesteht: „Ich war häufig skeptisch, ob das Experiment gelingen würde.“ Sie hat sich genauso wie Schulleiter Friedrich Fittje im Hintergrund gehalten. Alle Kolleg*innen sollten frei heraus reden können.
Dennoch haben die beiden Führungskräfte das Experiment voll mitgetragen. „Feedback fängt bei der Leitung an“, sagt Malina Finke. Dabei gelte es auch immer, sich selbst zu hinterfragen. Denn Kritik und Feedback sind zwei verschiedene Paar Schuhe. „Ich muss mich immer fragen, ob das, was mich stört, etwas mit mir selbst zu tun hat. Bin ich verärgert und will Dir das unbedingt sagen oder möchte ich Dir etwas Gutes tun?“, sagt Malina Finke.