Neues aus der GPS

Vier Tage, die den Horizont erweitert haben

Menschen mit und ohne Behinderung spielten gemeinsam Theater

Das Thema Demokratie stand im Mittelpunkt eines Theaterprojektes der Werkstatt Jeringhave und der BBS Varel. Am Ende stand eine eindrucksvolle Vorstellung, in der die Darsteller ihre Vorstellung einer besseren Welt auf die Bühne brachten.

„Was wollen wir?“ Eine entschlossen wirkende Frau kommt herein und schreit ihre Frage in den Raum. „Gleichberechtigung!“, ruft die Gruppe, die ihr folgt. „Was wollen wir?“, fragt sie weiter. „Teilhabe!“, antworten die anderen. Es ist eine Szene aus einem ganz besonderen Theaterstück. Gespielt von Beschäftigten aus der GPS-Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Jeringhave und Schülerinnen und Schülern der Berufsbildenden Schulen in Varel. Vier Tage lang hat diese bunt gemischte Gruppe in der Schule gemeinsam an einem eigenen Stück gearbeitet. Das Ergebnis beurteilt nicht nur GPS-Geschaftsführer Klaus Puschmann so: „Es ist einfach großartig geworden.“

Die Gesellschaft erlebt einen spürbaren Rechtsruck. Die Politik will Ausgaben im Sozialbereich kürzen. Politische Bildung ist also wichtiger denn je. Und so hätte das Thema des Projektes nicht passender sein können: Demokratie. Geleitet wurde es von den freiberuflichen Theaterpädagoginnen Ute Bommersheim und Theresa Ehmen in Kooperation mit dem Blauschimmeltheater und dem Verein „Theater unter den Sternen“ sowie dem Landesverband Theater.

 

Die Theaterpädagoginnen Theresa Ehmen und Ute Bommersheim haben das Stück mit der Gruppe erarbeitet.

Die Hemmschwelle war bei einigen zunächst hoch. Viele haben noch nie Theater gespielt. „Es geht bei dem Projekt auch darum, seine Komfortzone ein Stück weit zu verlassen“, sagt Ulrike Scheithauer, Lehrerin an der BBS Varel. Sie begleitet Theaterprojekte wie diese schon mehrere Jahre und ist jedes Mal wieder begeistert, was die Erfahrung mit ihren Schülern, die Heilerziehungspfleger werden wollen, macht. „Für viele erweitert sich der Blick dadurch enorm“, sagt sie.

Denn bei diesem Projekt ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten gegenseitig zuhören und sich auf Augenhöhe begegnen. In Gruppenarbeiten entwickeln die Akteure kleine Szenen. Dabei zählen die Ideen der Menschen mit Behinderung genauso viel wie die der anderen. „Das ist leider im Alltag oft immer noch nicht so“, sagt Ulrike Scheithauer. Durch das Theaterstück erfahren die Menschen Selbstwirksamkeit und daran können sie ein gutes Stück wachsen.

 

Die Gruppe war mit verschiedenen Fragen konfrontiert. Wie wollen wir leben? Was können wir dafür tun? Wie sähe eine perfekte Welt aus? Im Laufe der Tage wurden unter anderem Themen wie Alltagsdiskriminierung oder Rassismus besprochen. All ihre Gedanken und Gefühle haben die Darsteller*innen am Ende in ein eigenes Stück verpackt, in dem sie sich gegen Ungerechtigkeit und Ausgrenzung zur Wehr setzten.

„Alle Beteiligten haben gelernt: wenn wir uns gegenseitig zuhören, können wir gemeinsam Großes bewirken“, sagt Ulrike Scheithauer. Der Funke der Begeisterung ist auf jeden Fall auf das Publikum übergesprungen.

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